Trading-Psychologie

Trading Psychologie

Trading Psychologie sollte für jeden Trader eines der wichtigsten Themen auf dem Weg zum Erfolg an den finanziellen Märkten sein. Selbstkontrolle und der richtige Umgang mit Emotionen sind essenzielle Fähigkeiten, die ein erfolgreicher Trader beherrschen muss. Emotionen wie Angst und Gier sind stetige Begleiter eines jeden Traders. Um dennoch stets rationale Entscheidungen treffen zu können, ist es notwendig, sich seiner Emotionen bewusst zu sein und sich beim Treffen von Handelsentscheidungen nicht von Ihnen beeinflussen zu lassen. Das ist leichter gesagt als getan. Gerade wenn es um Geld geht, neigen viele Menschen zu irrationalem Handeln. Nur mit absoluter Disziplin und dem Willen ohne Ausnahme gewissen Regeln zu folgen, kann man dem Einfluss von Emotionen auf Handelsentscheidungen entgegenwirken.

Die Wahrnehmung unserer Umwelt basiert auf Erfahrungen

Menschen neigen dazu, Entscheidungen auf in der Vergangenheit gemachte Erfahrungen zu stützen. Diese Eigenschaft ist in den meisten Situationen außerhalb der finanziellen Märkte sehr nützlich. Im Kindesalter erleben wir die Welt weitestgehend ohne Vorurteile und stehen den meisten Dingen mit reiner Neugier und ohne jegliche Wertung gegenüber. Die meisten Interaktionen mit unserer Umwelt rufen Emotionen hervor, die entweder positiver oder negativer Natur sein können. Gerade Erfahrungen, die Emotionen wie Verlust oder Schmerz hervorrufen, prägen sich, ob wir es wollen oder nicht, in unser Unterbewusstsein ein und beeinflussen uns in unserer zukünftigen Handlungsweise, sobald wir uns wieder in einer ähnlichen Lebenssituation befinden.

Wenn wir uns zum Beispiel als Kleinkind an einer heißen Herdplatte verbrennen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir aus dieser Erfahrung lernen und in Zukunft aus Angst vor erneuten Schmerzen den Kontakt mit einer glühenden Herdplatte vermeiden. Dennoch wird genau diese Verhaltensweise vielen Tradern beim Handeln an den Märkten zum Verhängnis. Die Natur der Märkte unterscheidet sich maßgeblich von der realen Welt und davon, wie die meisten von uns mit dem Lösen Problemen umgehen.

In de Regel tendiert der Mensch dazu, seine Umwelt dahingehend zu verändern, dass seine Bedürfnisse so gut wie möglich befriedigt werden. Zu dieser Umwelt gehören zum Beispiel andere Menschen oder auch Landstriche auf denen beispielsweise Städte errichtet werden oder andere Eingriffe in die Natur stattfinden. Wenn einer unserer Mitmenschen unsere Erwartungen nicht erfüllt, versuchen wir in den meisten Fällen seine Meinung zu einem bestimmten Thema zu beeinflussen.

Diese über viele Jahre erlernte und von vielen als non plus Ultra angesehene Vorgehensweise der externen Problembewältigung übertragen viele unerfahrene Trader 1 zu 1 auf die Märkte. So sind die meisten Trader voller Erwartungen, dass der Markt sich entsprechend ihrer getätigten Analysen und Positionierungen auf eine bestimmte Art und Weise verhält. Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, werden unmittelbar negative Emotionen wie Ärger, Unzufriedenheit oder Enttäuschung hervorgerufen, mit der Situation verknüpft und im Unterbewusstsein abgespeichert.

>>Jede Marktsituation ist absolut einzigartig<<

Viele Analysten sprechen immer wieder von Marktzyklen, Trends und sich wiederholenden Mustern und Chartformationen. Diese sind jedoch nie genau identisch und die Zusammensetzung der Marktteilnehmer ist zu keinem Zeitpunkt exakt dieselbe. Mit dieser Wahrheit im Hinterkopf kann man ohne Bedenken behaupten, dass einzelne Trades statistisch voneinander unabhängig sind und dennoch lassen sich viele unerfahrene Trader von vorangegangenen Erfahrungen beeinflussen, egal ob positiv oder negativ.

Trader die mehrere Verluste hintereinander hinnehmen mussten, tendieren dazu, sich in zukünftigen ähnlichen Situationen ängstlich zu verhalten, da unser Unterbewusstsein versucht schmerzhafte Erfahrungen wie Verlust zu vermeiden. So kann es passieren, dass der Trader bei einer gewinnversprechenden Situation auf Grund der vorangegangen für ihn als negativ empfundenen Erfahrungen handlungsunfähig bleibt und gehemmt ist, den Kaufen bzw. Verkaufen-Knopf zu drücken.

Sobald die verpasste Möglichkeit Geld zu verdienen realisiert wurde, führt dies wiederum zu weiteren Emotionen wie Schuld und Ärger und der Trader befindet sich in einem Kreislauf von verfälschter Wahrnehmung der Marktdaten und negativen Emotionen, aus dem er sich schnellstmöglich befreien muss, um den Markt wieder auf eine objektive Weise zu betrachten.

Emotionen kontrollieren und den Markt objektiv betrachten

Da wir uns nicht in gefühlskalte Reptilien verwandeln wollen und Emotionen für unser gesellschaftliches Zusammenleben von großem Vorteil sind, müssen wir als Trader Wege finden, wie wir entsprechend mit unseren Gefühlen umgehen, so dass sie uns nicht bei unseren Handelsentscheidungen beeinflussen.

Höheres Bewusstsein durch ein observierendes Ego

Dieses Konzept ist dafür gedacht, uns als Trader stets weiterzuentwickeln und damit der erste Schritt, Probleme, die auf nicht objektiver Wahrnehmung der Märkte und Identifikation mit Emotionen basieren, anzugehen und langfristig zu lösen. Das oberservierende Ego ist die Fähigkeit, gedanklich aus unserem Selbst herauszutreten, um auf uns selbst herabzuschauen und zu beurteilen, wie wir uns in entsprechenden Trading-Situationen verhalten. Nur so können wir uns in bestimmten Situationen selbst ertappen, wenn wir zum Beispiel eine Entscheidung auf emotionaler Ebene treffen, die nicht in unserem besten Interesse ist und von unserem Tradingplan abweicht.

Diese Entscheidungen passieren in der Regel rein unterbewusst und das Ziel sollte sein, unseren Autopilot abzuschalten und während des Tradings eine Identifikation mit den Emotionen abzulegen. Ein höheres Bewusstsein für die eigenen Emotionen und Gedankengänge zu erlangen, ist der einzige Weg, Märkte auf mit einer objektiven Sichtweise zu betrachten.

Sobald Gedanken aufkommen, wie zum Beispiel "Der Markt muss jetzt dies oder jenes tun, damit ich einen Gewinn verbuchen kann und ich hoffe sehr, dass er dies so schnell wie möglich tut." kann dies durch ein aktives observierendes Ego realisiert werden, um dann bewusst die Sichtweise und Erwartungshaltung anzupassen und somit die notwendige Objektivität zurückzuerlangen.

Distanzierung von Emotionen

Die meisten Menschen identifizieren sich stets mit ihren Emotionen und sehen diese als einen Teil ihres eigenen Ichs. Beim traden ist das jedoch nicht besonders hilfreich, da unsere Emotionen, wie bereits erwähnt, eine objektive Sichtweise auf die Märkte und sich selbst als Trader negativ beeinflussen können. Durch ein höheres Bewusstsein (observierendes Ego) beim Treffen von Handelsentscheidungen kann man sich weitestgehend von seinen Emotionen distanzieren, um diese lediglich als Reaktion auf unsere Wahrnehmungen zu sehen.

Wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, können wir stets selbst beeinflussen. Wir können zum Beispiel einen Verlust-Trade als Eingriff in unsere persönlichen Ressourcen und somit als schlecht ansehen. Eine bessere Betrachtungsweise wäre jedoch, den Verlust als notwendiges Trading-Instrument zu sehen, dass dazu dient herauszufinden, ob ein Markt sich entsprechend der Analyse und den eigenen Projektionen verhält. Das Verbuchen von Verlusten und die Handhabe der damit verbundenen Emotionen, sind enorm wichtig, um beim Traden langfristig erfolgreich zu sein.

Kein Trader kann seine Emotionen komplett abschalten. Die einzige Möglichkeit ohne den Einfluss von Emotionen an den Märkten zu handeln ist, sich diesen bewusst zu sein, um deren Einfluss auf die eigenen Handelsentscheidungen bestmöglich zu verhindern und stets rational und im besten eigenen Interesse zu handeln.

Über den Autor

Nils Rehfeldt ist der Autor dieses Artikels. Er handelt seit mehr als 6 Jahren erfolgreich mit Devisen und gibt auf seinem Blog www.maniforex.de wertvolle Tipps zum Thema Trading. Er schreibt unter anderem über seine Sichtweise auf die Märkte und über eine Vielzahl von Fähigkeiten, die ein Forex Trader erlernen sollte, um am Markt langfristig Gewinne zu erzielen.

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